Sonderpublikation

 

Urs Eggli: Sukkulentengärten – Geschichten einer Faszination
     Avonia 35 (Supplement) 2017
 

Vorstand und Redaktion der Fachgesellschaft andere Sukkulenten erhielten von Urs Eggli, Sukkulenten-Sammlung Zürich, die freundliche wie vertrauensvolle Anfrage, ein spezielles Heft veröffentlichen zu dürfen. Der Hintergrund des Inhaltes dieses Supplements zu unserem 35. Jahrgang der Avonia ist folgender:
Am 13. Mai 2016 eröffnete die Sukkulenten-Sammlung Zürich unter dem Titel „Sukkulentengärten – Geschichten einer Faszination“ zum Gartenjahr 2016 eine Fokusausstellung. Diese widmete sich den vergangenen fast 500 Jahren und porträtierte an fünf Stationen beispielhaft fünf Personen, die sich in ganz unterschiedlichen Kontexten und zu unterschiedlichen Zeiten mit Sukkulenten beschäftigt hatten.
 
Der vorliegende Zeitschriftenbeitrag nimmt die Ausstellung als Grundlage und „roten Faden“. Der Text basiert in erster Linie auf den Recherchen für die Ausstellung, ist aber mit zahlreichen Ergänzungen versehen, die den Rahmen der Ausstellung gesprengt hätten – diese richtete sich ja an das „allgemeine“ Publikum der Sukkulenten-Sammlung. Wie die Ausstellung ist aber auch der vorliegende Artikel keine vollständige Darstellung der Entwicklung der Sukkulentenkenntnisse, sondern ein Versuch, die faszinierende Geschichte mittels der porträtierten Personen zu erzählen.
 
Vorstand und Redaktion haben zügig entschieden, diese hochwertige Arbeit in angemessener Form zu publizieren und den Mitgliedern der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Dank einer Spende sowie der dankenswerten Mitwirkung des Fördervereins der Sukkulenten-Sammlung Zürich, welcher sich an der Finanzierung beteiligte und seinerseits seinen Mitgliedern das Heft zugänglich machte, konnte dieses Unterfangen letztlich kostenneutral für unsere Mitglieder realisiert werden.
 
Zum Inhalt sagt die einleitend enthaltene Zusammenfassung Folgendes:
Die Geschichte der Sukkulentenbotanik und der Sukkulentenliebhaberei der letzten 500 Jahre wird aufgrund von fünf ausgewählten Persönlichkeiten ausgeleuchtet. Die Einleitung setzt sich zudem mit den bahnbrechenden Umwälzungen an der Schwelle zwischen Mittelalter und Renaissance auseinander, insbesondere mit dem neuen, wissenschaftlichen Blick auf die belebte Natur.
 
Die fünf porträtierten Personen verkörpern beispielhaft die Entwicklungen der verschiedenen Epochen: Der Zürcher Universalgelehrte Conrad Gessner war einer der ersten Sukkulentenkultivateure nördlich der Alpen. Er markiert die neue Bedeutung der Wissenschaften in der Renaissance und er veröffentlichte 1561 auch das erste Gartenbuch der Geschichte. – Wilhelm Ulrich Waldschmidt war in der Barockzeit Botaniker in Kiel sowie Leibarzt des Herzogs von Schleswig-Holstein. Er verfasste 1705 eigens ein Buch, als im fürstlichen Garten von Gottorff eine Agave zur Blüte kam. Zu seiner Zeit spielten exotische Pflanzen in Fürstengärten eine große Rolle und dienten vor allem repräsentativen Zwecken. Und was wäre zur Unterstreichung fürstlicher Wichtigkeit besser geeignet als eine große Agave? – Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck widmete im Spannungsfeld des Umbruchs vom Klassizismus zur Romantik seine Zeit dem vertieften wissenschaftlichen Interesse an der stets wachsenden Zahl der kultivierten Pflanzen im Allgemeinen und der Sukkulenten im Speziellen. Den Garten seines Schlosses Dyck baute er zu einem veritablen botanischen Garten um, und fast während seines ganzen Lebens widmete er sich dem Studium der Sukkulenten. Mit der industriellen Revolution bildete sich zur Zeit des Biedermeiers in Europa ein Mittelstand, dessen Angehörige neben der Arbeit zunehmend über Freizeit verfügten. Der berühmte „Kakteenfreund“ auf dem Gemälde von Carl Spitzweg ist die erste bildliche Darstellung des Kakteenhobbys. Mit dem Aufkommen der Kakteenliebhaberei erschienen zunehmend auch Buchpublikationen, die sich an die entsprechende Leserschaft wandten. – Jakob Gasser schließlich, Kakteengärtner im Nebenerwerb in Zürich im frühen 20. Jahrhundert, markiert einen weiteren Höhepunkt der Kaktusmanie. Er vermehrte seine Pflanzen aber nicht nur aus Samen und Ablegern, sondern importierte, wie damals üblich, auch Material aus Mexiko. Seine Privatsammlung ging schließlich als Schenkung an die Stadt Zürich und legte das Fundament für die 1931 gegründete Sukkulenten-Sammlung Zürich.
 
Den Autor – Urs Eggli – vorzustellen, ist sicherlich bei unseren Mitgliedern nicht notwendig. Zu bekannt ist seine ausgewiesene Fachexpertise und seine zahlreichen Publikationen einschließlich der Lexika zu sukkulenten Pflanzenfamilien. Mit dem nunmehr vorliegenden weiteren Band mit Würdigung einer beinah 500-jährigen Geschichte der Beschäftigung mit sukkulenten Pflanzen hat er einen weiteren Meilenstein vorgelegt, welcher seine umfassenden Kenntnisse, basierend auf jahrzehntelanger akribischer Arbeit, dokumentiert.
Wir sind stolz auf diese Publikation, danken allen Beteiligten und wünschen eine angenehme Lektüre!
 
Jörg Ettelt, Präsident der Fachgesellschaft andere Sukkulenten

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